Transen - Transsexuelle - Transvestiten -
Transsexualität - transfrauen - Transmänner - Schwanzfrau
zurück
Transsexualität
Transsexualität oder Transsexualismus ist laut der
Weltgesundheitsorganisation (WHO), eine Form der
Geschlechtsidentitätsstörung. Sie liegt vor, wenn ein Mensch
körperlich eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht
angehört, sich jedoch als Angehöriger des anderen Geschlechts
empfindet und danach strebt, sich auch körperlich diesem Geschlecht
so gut wie möglich anzunähern.
Definitionen
Menschen, die physisch weiblich sind, aber ein männliches
Identitätsgeschlecht haben, werden in der Regel als
Frau-zu-Mann-Transsexuelle oder Transmänner bezeichnet; Menschen,
die physisch männlich sind, aber ein weibliches Identitätsgeschlecht
haben, bezeichnet man entsprechend als Mann-zu-Frau-Transsexuelle
oder Transfrauen. Einige von Transsexualität betroffene Menschen
lehnen die Begriffe Mann-zu-Frau und Frau-zu-Mann jedoch ab, da
diese Wortschöpfungen ihrer Meinung nach die eigentliche, angeborene
Geschlechtsidentität nicht als geschlechtsbestimmend respektierten.
Außerdem implizierten die Begriffe Mann-zu-Frau und Frau-zu-Mann,
dass eine Änderung körperlicher Merkmale oder eine Änderung des
Rollenverhaltens bereits eine Geschlechtsangleichung ermögliche. Da
die Geschlechtsidentität ihrer Ansicht nach nicht änderbar ist,
welches auch der Grund für körperliche Veränderungen und Änderungen
des Rollenverhaltens ist, seien, so die Kritiker, die Begriffe
Mann-zu-Frau und Frau-zu-Mann falsch. Die in älterer medizinischer
Literatur gebräuchlichen Wendungen transsexuelle Frau für
Transfrauen bzw. transsexueller Mann für Transmänner, die das
körperliche anstelle des empfundenen Geschlechts in den Vordergrund
stellen, werden von den meisten Transsexuellen abgelehnt und gelten
heute als veraltet. Transsexuelle Menschen mit medizinischer oder
juristischer Geschlechtsanpassung bezeichnen sich oft nicht mehr als
transsexuell, sondern entweder als Mann mit transsexueller
Vergangenheit bzw. als Frau mit transsexueller Vergangenheit oder
einfach als Mann bzw. Frau.
Begriffsgeschichte
Das Phänomen von Menschen, welche die Geschlechtsrolle wechselten,
ist seit der Antike bekannt. Da allerdings erst seit dem Beginn des
20. Jahrhunderts überhaupt die Möglichkeit der entsprechenden
medizinischen Behandlung bestand, unterschied man vor dem 20.
Jahrhundert nicht zwischen Transsexualismus und Transvestitismus.
Der deutsche Arzt und Sexualforscher Magnus Hirschfeld prägte 1910
die Bezeichnung „Transvestiten“ für Menschen, die sich gelegentlich
oder regelmäßig als Angehörige des anderen Geschlechts kleiden. Für
Menschen, die sich nicht nur in der Kleidung, sondern auch
körperlich dem jeweils anderen Geschlecht anzupassen versuchen,
schuf er 1923 – in der letzten Ausgabe seines Jahrbuchs für sexuelle
Zwischenstufen – den Begriff des „seelischen Transsexualismus“.
Hirschfeld identifizierte Transsexualismus dabei noch nicht als eine
von Transvestitismus verschiedene Abweichung, sondern als eine
besonders intensive Ausprägung derselben. Harry Benjamin, der
Hirschfeld, dessen Publikationen und dessen Institut für
Sexualwissenschaft kannte, griff den Begriff 1953 in seinem Artikel
Transvestism and Transsexualism wieder auf und etablierte ihn 1966
mit seinem Buch The Transsexual Phenomenon in der Sexualmedizin.
Zeitweilig wurde David O. Cauldwell, der das Wort in seinem schon
1949 erschienenen Artikel Psychopathia transexualis aufgegriffen
hatte, fälschlich als Urheber dieses Begriffs angesehen. In den
Arbeiten von Cauldwell und Benjamin wurde der Begriff des
Transsexualismus bereits in seiner heutigen Bedeutung verwendet. In
den 90er Jahren wurde der Begriff Transsexualismus aus dem
diagnostischen und statistischem Handbuch Psychischer Störungen, dem
DSM-IV, entfernt, und durch den Begriff Geschlechtsidentitätsstörung
ersetzt, im ICD-10 (Internationale Klassifizierung von Krankheiten
der Weltgesundheitsorganisation) wird dagegen noch der Begriff
Transsexualismus und Geschlechtsidentitätsstörung synonym verwendet.
Er findet sich unter Klasse F (Psychische Störungen und
Verhaltensstörungen) und dem Unterpunkt F64.0.
Geschichte des Transsexualismus
Bereits in den 1950er Jahren konnten Transsexuelle in den USA eine
Hormontherapie erhalten. Viele Transsexuelle wurden in dieser Zeit
von Harry Benjamin betreut, einem Pionier auf diesem damals jungen
Forschungsgebiet, der im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen
Transsexuelle nicht als psychisch Kranke ansah, sondern der Ansicht
war, dass ihr körperliches Geschlecht wirklich von ihrer
Geschlechtsidentität abweicht. 1952 – zu einem Zeitpunkt, als die
Operationsmethoden sich noch im Experimentalstadium befanden –
berichteten die Medien erstmals über eine transsexuelle
Amerikanerin, Christine Jorgensen, die eine operative
Geschlechtsangleichung (Mann-Frau) erhalten hatte. Da religiöse
Gruppen solche Operationen ablehnten und auf die Krankenhäuser Druck
ausübten, mussten Transsexuelle zur chirurgischen
Geschlechtsanpassung zunächst ins Ausland reisen, vor allem nach
Casablanca zu Georges Burou und nach Mexiko. In den USA wurden
Transsexuelle weiterhin als Psychotiker angesehen,
zwangshospitalisiert und mit der fragwürdigen Aversionstherapie und
sogar mit Elektroschocks behandelt. Erst 1966 richtete das Johns
Hopkins Medical Center in Baltimore eine Gender Identity Clinic ein,
in der seitdem auch geschlechtsangleichende Maßnahmen durchgeführt
wurden. Von 1969 an folgten weitere Fachkliniken, in denen namhafte
Forscher wie Stanley Biber arbeiteten.
Verlauf
Zahlreiche transsexuelle Menschen entwickeln bereits im
Vorschulalter das Gefühl, „anders“ zu sein, können dieses oft aber
noch nicht konkret zuordnen. Andere berichten, dass sie bereits im
Vorschulalter ein Bewusstsein dafür entwickelten, entgegen ihrem
körperlichen Geschlecht eigentlich ein Junge bzw. Mädchen zu sein,
oder zumindest kein Mädchen bzw. Junge. Gelegentlich tritt dieses
Bewusstsein erst in der Pubertät oder im Erwachsenenalter auf.
Besonders in diesen Fällen stellt sich die Frage, ob nicht
Erinnerungen aus der Kindheit verdrängt wurden.
Der von transsexuellen Menschen empfundene psychische Druck nimmt
kontinuierlich mit der Zeit zu, besonders während der Pubertät und
im jungen Erwachsenenalter. Neben psychosomatischen Krankheiten und
verschiedenen anderen psychischen Problemen sind vor allem
Depressionen und Drogenmissbrauch eine häufige Folge. Die meisten
Transsexuellen sehen sich früher oder später gezwungen, ihre Umwelt
über ihren Transsexualismus zu informieren (Outing) und ihre
Geschlechterrolle „offiziell“ und permanent zu wechseln. Oft ist der
entsprechende Entschluss Ergebnis einer besonderen Krisenphase, die
häufig als existenzbedrohend empfunden wird.
Der Zeitpunkt, an dem im Einzelfall die jeweiligen psychischen
Probleme mit Transsexualismus in Verbindung gebracht werden, ist
individuell höchst unterschiedlich. Er hängt u. a. auch mit den
verfügbaren Informationen und dem sozialen Klima zusammen, in dem
der Betroffene lebt. Insgesamt jedoch sinkt das Durchschnittsalter,
in dem Betroffene versuchen, eine medizinische Behandlung zu
erreichen, seit Jahren.
Unabhängig davon, ob sie als transsexuell angesehen werden,
versuchen betroffene Kinder meist, den Erwartungen ihrer Umgebung zu
entsprechen und die dem körperlichen Geschlecht entsprechende
Geschlechterrolle zu leben. Da der diesbezügliche Druck auf
körperlich männliche Transsexuelle im allgemeinen größer ist als der
Druck, unter dem körperlich weibliche Betroffene leben, verläuft die
typische Entwicklung bei Transmännern und Transfrauen
unterschiedlich:
- Transfrauen bemühen sich häufig zunächst darum, dem klassischen
Bild eines Mannes möglichst weitgehend zu entsprechen. Es ist
keineswegs selten, dass sie zunächst heiraten und eine Familie
gründen, insbesondere dann, wenn sie ohnehin Frauen als Partnerinnen
bevorzugen. Auch ist bei Transfrauen eine ausgesprochen „männliche“
Berufswahl keineswegs selten. Ihr Unbehagen in der männlichen Rolle
äußert sich oft in einem Wechselspiel zwischen transvestitischen
Phasen und Phasen der Überkompensation, in denen sie zum Beispiel
alle Frauenkleider wegwerfen und versuchen, besonders männlich zu
erscheinen.
- Transmänner heiraten etwas seltener und bekommen auch seltener
Kinder. Bei der Berufswahl entscheiden sie sich fast immer entweder
für „geschlechtsneutrale“ oder für „typisch männliche“ Berufe. Ihr
Unbehagen in der weiblichen Geschlechtsrolle drückt sich vor allem
dadurch aus, dass „männliche“ Verhaltensweisen in den Alltag
integriert werden, was bei Frauen eher akzeptiert wird als weibliche
Verhaltensweisen bei Männern. Transmänner, die noch als Frauen
leben, wirken daher oft „burschikos“ oder „emanzipiert“. Auch werden
sie häufig für lesbisch gehalten, auch dann, wenn sie als Partner
Männer bevorzugen.
Der Wechsel der Geschlechtsrolle kann, muss aber nicht, zu großen
sozialen Problemen führen. Partnerschaften zerbrechen häufig, aber
nicht immer. Kinder verkraften den Rollenwechsel eines Elternteils
meistens wesentlich besser als erwartet; Ausnahmen sind besonders
Kinder in der Pubertät und Kinder, die von außen stark gegen den
betroffenen Elternteil beeinflusst werden. Auch der Verlust des
Arbeitsplatzes, der früher als so selbstverständlich galt, dass von
vorneherein zur eigenen Kündigung geraten wurde, ist wesentlich
seltener geworden – unter anderem deshalb, weil der Europäische
Gerichtshof die Kündigung eines Menschen wegen eines beabsichtigten
Geschlechtsrollenwechsels mittlerweile für verfassungswidrig erklärt
hat, da es sich hier um eine Diskriminierung aufgrund des
Geschlechts handelt. Ungeachtet dessen begeben sich selbst die
Transsexuellen, die das bisher nicht getan haben, aus Anlass ihres
Geschlechtsrollenwechsels in psychologische oder
psychotherapeutische Betreuung; denn ohne den Nachweis
professioneller Begleitung ist es nahezu unmöglich, die für die
Inanspruchnahme medizinischer und juristischer Begleitmaßnahmen
erforderlichen Gutachten zu erhalten.
In den letzten Jahren steigt die Zahl der Eltern transsexueller
Kinder, die deren Transsexualismus als solche erkennen; ebenso
steigt die Zahl der Eltern, die mit Akzeptanz anstatt mit Ablehnung
reagieren. In diesen Situationen werden zunehmend medizinische
Maßnahmen eingesetzt, die den Eintritt der Pubertät verzögern. Auf
diese Weise soll verhindert werden, dass sich Geschlechtsmerkmale
entwickeln, die später nur mit großem Aufwand und oft fragwürdigem
Erfolg wieder rückgängig gemacht werden müssten oder nicht mehr
rückgängig zu machen sind. Daher wächst auch die Zahl der
transsexuellen Menschen, die sich bereits kurz vor, während oder
kurz nach der Pubertät zum Wechsel der Geschlechtsrolle
entschließen. Die hormonelle Behandlung sehr junger Patienten ist
jedoch umstritten. In diesem Zusammenhang wurde Kim Petras vor
einigen Jahren in den Medien bekannt, die schon mit 12 Jahren
pubertätsverzögernde Hormone bekam.
Medizinische Maßnahmen
Die medizinischen Maßnahmen dienen dazu, den Körper soweit als
möglich dem empfundenen Geschlecht anzugleichen; die immer noch
häufige Bezeichnung Geschlechtsumwandlung ist falsch, da sich die
meisten Geschlechtsmerkmale nicht in die des anderen Geschlechts
umwandeln lassen. Die medizinischen Maßnahmen bestehen aus
Hormontherapie, geschlechtsangleichenden Operationen und
gegebenenfalls weiteren Maßnahmen wie z. B. der dauerhaften
Entfernung des Bartes durch eine Epilation.
Bei der Hormonbehandlung werden die Sexualhormone des körperlichen
Zielgeschlechts zugeführt und die Bildung der körpereigenen
Sexualhormone unterdrückt. Sie leitet eine Art zweite Pubertät und
damit die Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale ein. Bei
Transfrauen wird die Hormonbehandlung oft durch eine Behandlung mit
Antiandrogenen ergänzt. Bei jugendlichen Transsexuellen wird oftmals
zunächst der Beginn der "ersten" Pubertät durch pubertätsverzögernde
Hormone verzögert, um Zeit für die endgültige Entscheidung für oder
gegen weitere medizinische Maßnahmen zu gewinnen, bevor körperliche
Veränderungen einsetzen.
Bei Transfrauen wird die Haut dünner und trockener, das Körperfett
verlagert sich hin zu Gesicht, Brust (Gynäkomastie) und auch zu
Hüften und Gesäß. Die Körperbehaarung kann etwas zurückgehen. Auch
testosteronbedingter Haarausfall kann sich teilweise zurückbilden.
Der Bartwuchs wird allerdings kaum beeinflusst. Die Hoden
schrumpfen, die Produktion von Sperma bleibt aus (Hodenatrophie).
Die Libido kann schwächer werden oder aber auch in vielen Fällen
erhalten bleiben. Langfristig bildet sich die Muskulatur zurück und
die körperliche Belastbarkeit sinkt. Die Psyche wird allgemein
empfindsamer.
Entsprechend wird bei Transmännern die Haut grobporiger, das Fett
verlagert sich von der Hüfte hin zur Taille, die körperliche
Leistungsfähigkeit nimmt als Folge weiteren Muskelaufbaus zu,
Bartwuchs setzt ein, die Körperbehaarung kann zunehmen, und die
Klitoris wird größer. Das Testosteron bewirkt ein Ende der
Regelblutungen, das Einsetzen des Stimmbruchs und häufig eine
Intensivierung der Libido.
Vollständig rückgängig machen lassen sich die Auswirkungen der
ersten, natürlichen Pubertät weder bei Transmännern noch bei
Transfrauen. Eine Umwandlung oder Ausbildung der primären
Geschlechtsorgane ist ausgeschlossen. Zum Vermeiden gesundheitlicher
Schäden durch Hormonmangel ist eine lebenslange Hormonsubstitution
erforderlich.
Anstelle von oder zusätzlich zu Hormonbehandlungen sind auch
geschlechtsangleichende Operationen möglich; im Allgemeinen gilt
zumindest der Wunsch nach diesen Maßnahmen als notwendige Bedingung
für die Diagnose „Transsexualismus“.
Bei Transfrauen umfassen diese in der Regel die Epilation des Barts
und die geschlechtsangleichende Operation, bei der die Hoden
entfernt werden und aus dem Penis sowie dem Hodensack eine Vulva und
eine Vagina rekonstruiert werden, womit meist ohne weiteres
Geschlechtsverkehr ausgeübt werden kann. Weil das von der
Hormonbehandlung bewirkte Brustwachstum häufig nur gering ist,
unterziehen sich viele Transfrauen einer Brustvergrößerung. Zur
Anpassung der Stimmlage stehen verschiedene Operationen am Kehlkopf
zur Verfügung. Prinzipiell gelingt die Stimmerhöhung durch eine
Reduktion der Stimmlippenmasse, der -länge oder Erhöhung der
-spannung. Diese Eingriffe bedürfen einer sorgfältigen Beratung und
Risikoabwägung, u.a. da sie zum Teil nicht reversibel sind. Im
deutschsprachigen Raum seltener ausgeführt werden Operationen zur
Annäherung biometrischer Merkmale des Gesichts an den weiblichen
Normbereich. Diese betreffen vor allem Unterkiefer, Kinn und
Augenbrauenwülste.
Bei Transmännern bestehen die operativen Maßnahmen in der Regel aus
einer Brustentfernung, dem Entfernen von Gebärmutter und Eierstöcken
sowie dem Aufbau eines für den Geschlechtsverkehr geeigneten
künstlichen Penis. Die Entfernung von Gebärmutter und Eierstöcken
ist nicht zuletzt wegen des durch die Zufuhr männlicher Hormone
steigenden Risikos von Krebs an diesen Organen angezeigt. Die
Bildung von Hoden und damit das Erlangen einer Zeugungsfähigkeit
sind nicht möglich. Der Aufbau eines adäquaten männlichen Gliedes
ist bezüglich Aussehen, Funktion und Größe inzwischen auf hohen
Standard. Zur Bildung werden vorwiegend freie Lappen aus dem
Unterarm oder Unterschenkel verwendet.