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lesben - lesbensex - lesbisch - lesbos- lesbierin zurück
Das Adjektiv lesbisch (Substantiv: Lesbe, heute selten verwendet
Lesbierin) bezeichnet üblicherweise homosexuelle Frauen. Die
wissenschaftliche Bezeichnung "homosexuell" wird von vielen
gleichgeschlechtlich orientierten Frauen wegen der Reduktion ihrer
Empfindungen auf Sexualität abgelehnt, da lesbische Lebensweise
neben Sexualität auch die emotionale Zuwendung sowie den Wunsch nach
partnerschaftlicher Bindung beinhaltet oder beinhalten kann
Herkunft des Begriffes
Das Wort lesbisch leitet sich von der griechischen Insel Lesbos
(Λέσβος; heutige Aussprache: Leswos) ab, die sich im ostägäischen
Meer befindet. Die antike griechische Dichterin Sappho, die im 6.
Jh. v. Chr. auf Lesbos lebte, hatte in ihren Gedichten die Liebe
zwischen Frauen besungen, auch wenn ihre eigene sexuelle
Orientierung bis heute umstritten ist. In der Antike wurde für
weibliche Gleichgeschlechtlichkeit sowohl von den Griechen als auch
von den Römern unter anderem das Wort „τρίβω“, tribas verwendet,
welches in verschiedenen Formen wie des Tribadismus oder der
Tribadie und der Tribadin oder des Tribaden bis Mitte des 20. Jh.
verwendet wurde und mit der Zeit eine immer engere Bedeutung
bekommen hat. Das in der Antike geläufige Wort „Λεσβιάζω“ Lesbiazō
(„es machen wie die Frauen aus Lesbos“), bezeichnete orale
Stimulation allgemein und Cunnilingus im Speziellen.
Die erste eindeutige Verbindung zwischen weiblicher Homosexualität
und der Insel Lesbos, von der die fiktive und als männlich
beschriebene Tribade Megilla kommt und wo es mehrere ihrer Art geben
soll, ist aus dem 2. Jh. n. Christus erhalten. Sappho betrieb auch
eine Schule für aristokratische Töchter. In Analogie zum
pädagogischen Eros der Päderastie wurde von Biographen im 3. Jh. n.
Chr. das Wort gynerastia für die Beziehungen Sapphos verwendet.
Bezeichnungen aus der Umgebung Lesbe und Sapphistin tauchen erstmals
im Frankreich des 17. Jh. auf. Im Jahre 1787 erwähnt ein deutscher
Lexikograph die Lesbiam Venerem („lesbische Liebe“). 1837 ist im
Brockhaus die sapphische Liebe erwähnt. Die Bezeichnung Lesbierin
taucht gegen 1870 als Bezeichnung gleichgeschlechtlicher weiblicher
Sexualität erstmals auf, 1890 wird das dazugehörige Adjektiv
lesbisch erstmals im heutigen Sinne verwendet. Getreu anderen
historischen Beispielen wie Sadismus oder Donjuanismus verwendet
Krafft-Ebing einen Begriff aus der fiktionalen Literatur, um in der
Realität auftretende Fallbeispiele zu beschreiben. Im Jahre 1890
taucht der Begriff Lesbian auch erstmals im englischen Billing's
Medical Dictionary auf und verbreitet sich schnell. Vor der
Verbreitung der Bezeichnung Lesbierin, später Lesbe, wurde
gelegentlich der Begriff sapphische Liebe oder Sapphismus verwendet.
Angesichts der lange gepflegten gesellschaftlichen Unsichtbarkeit
der homo- und bisexuellen Frauen wurden häufig auch Euphemismen wie
„männlich wirkende Frau“ oder „Freundin“ als Umschreibung verwendet
Entwicklung des Begriffs im 20. Jahrhundert
Wie viele Bezeichnungen aus dem Sexualbereich wurde auch das
Adjektiv lesbisch bisweilen pejorativ, also abwertend, gebraucht.
Seit der Bürgerrechtsbewegung Ende der 1960er/Anfang der 1970er
Jahre, in deren Zusammenhang auch homosexuelle Frauen und Männer für
ihre Gleichberechtigung demonstrierten, werden die Ausdrücke „Lesbe“
beziehungsweise „lesbisch“, ebenso wie schwul in selbstbewusster
Form als Selbstbezeichnung verwendet.
Lesbisches Selbstverständnis und Feminismus
Die lesbische Subkultur hat sich in stärkerem Maße als die
Schwulenbewegung auch als politische Bewegung verstanden. Lesben
waren und sind dabei insbesondere häufig in der allgemeinen
Frauenbewegung aktiv und verstanden den Kampf für die Rechte von
Lesben lange nur als Teil des allgemeinen Kampfes für die Rechte von
Frauen. Mit den kontroversen Auseinandersetzungen der feministischen
Bewegung, den sogenannten Feminist Sex Wars, wurde auch die sexuelle
Orientierung zu einem Diskussionspunkt, wobei der sex-positive
Feminismus sich für die Akzeptanz der Homo- und Bisexualität
aussprach, während es im Second-Wave-Feminismus einen deutlichen
Wunsch nach Abgrenzung von der lesbischen Subkultur gab. Ein Grund
dieser Ablehnung war unter anderem, dass die fehlende öffentliche
Akzeptanz von Lesben die Ziele des Feminismus gefährden könnte. Eine
starke eigenständige Lesbenbewegung entstand daher erst in den
1980er Jahren. Zu einer breiteren Zusammenarbeit mit der
Schwulenbewegung oder bei LGBT-Projekten (Lesbian, Gay, Bisexual,
Transgender) kam es noch später; nicht alle Lesben und/oder
lesbischen Organisationen sind zu solchen Zusammenarbeiten bereit.
„Lesbisch sein“ in der heutigen
Trivialkultur
Seit den 1990ern werden lesbische Frauen auch in Filmen und Serien
dargestellt. Beispiele hierfür sind Fernsehserien wie Dark Angel
(2000–2002) mit der Figur Original Cindy, Berlin, Berlin (seit 2002)
mit Rosalie, der besten Freundin der Hauptfigur Lolle, Friends
(1994–2004) mit mehreren lesbischen Figuren, unter anderem Ross'
Ehefrau Carol, die sich in ihre beste Freundin verliebt, oder Ellen
(1994–2001) mit der Schauspielerin Ellen DeGeneres, die sich
gleichzeitig mit ihrer Serienfigur Ende der 1990er Jahre outete. Mit
The L Word, das 2006 im deutschen Fernsehen anlief, gibt es eine
vollständig lesbische Serie. Dennoch sind Lesben im Fernsehen nach
wie vor Sonderfiguren. Die meisten von ihnen sind jung, entsprechen
etablierten Schönheitsidealen, und sind beruflich erfolgreich.
Lesbische Lebensentwürfe
Trotz einer gestiegenen medialen Präsenz homosexueller Frauen seit
der 1990ern ist eine offen lesbische Lebensweise nicht etabliert, so
dass es beispielsweise nur wenige offen lesbische
Spitzenpolitikerinnen gibt, was auch daran liegt, dass es allgemein
wenige weibliche Spitzenpolitikerinnen gibt. In Österreich ist zum
Beispiel Ulrike Lunacek von den Grünen eine offen lebende lesbische
Frau.
Die lesbische Identität bezieht sich ganz wesentlich auf frauen- und
lesbenzentrierte Lebensweisen und Interessen. Lesbische Identität
und lesbische Kultur umfassen heute ein breites Spektrum. Auch wird
der in den Anfangsjahren der lesbischen Bewegung selbstverständliche
Zusammenhang mit dem Feminismus von vielen Lesben differenziert
betrachtet – nicht zuletzt als unbeabsichtigte Folge der auch durch
lesbisch-feministisches Engagement erzielten Erfolge bei der
Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen.
Aktuelle Themen im lesbischen Leben sind analog der
gesamtgesellschaftlichen Diskussion, beispielsweise Fragen zum Leben
im Alter und Regenbogenfamilien als eine gleichberechtigte
Familienform.
Junge Lesben
Homosexuelle Mädchen und junge Frauen werden auch als junge Lesben,
Junglesben oder JuLes bezeichnet. Viele Frauen-, Jugend-, Mädchen-
und lesBiSchwule Organisationen haben Angebote für junge Lesben in
ihrem Programm integriert und versuchen, Mädchen und junge Frauen in
der Orientierung oder beim Coming-Out zu unterstützen und ihnen
Alternativen der Lebensführung aufzuzeigen.
Regenbogenfamilien und politische Situation
in Deutschland und Österreich
Obwohl das Lebenspartnerschaftsgesetz in Deutschland ein „kleines
Sorgerecht“ vorsieht, ist die Situation lesbischer oder schwuler
Elternpaare (Regenbogenfamilien) von Normalität noch weit entfernt.
Zur Versachlichung der Debatte trägt sicherlich bei, dass der
damalige Bundespräsident Horst Köhler im Januar 2006
gleichgeschlechtliche Familien als normale Familienform unter
anderen genannt hat, dennoch spielt der alltägliche Kampf um
Akzeptanz noch eine erhebliche Rolle. Einen ersten Überblick zum
Thema gibt die Dokumentation der Berliner Senatsverwaltung für
Bildung, Jugend und Sport.
Nicht zuletzt durch das Lebenspartnerschaftsgesetz treten in der
öffentlichen Diskussion pragmatische Fragen (z. B. steuerrechtliche
Bedingungen, Adoptionsrecht) in den Vordergrund.
In Österreich ist die Situation im Vergleich zu Deutschland nicht
ansatzweise so entspannt: In Wien können lesbische Frauen in den
Mietvertrag eintreten und haben auch sonst einige Möglichkeiten,
bundesweit allerdings sind eingetragene Partnerschaften nicht
vorgesehen. Sie sind zwar Teil einer öffentlichen Diskussion, jedoch
lehnen die konservativen Parteien ÖVP, FPÖ und die Kleinpartei BZÖ
eine Öffnung der Ehe völlig ab. Auch die Schaffung einer
eingetragenen Partnerschaft wird von FPÖ und BZÖ völlig abgelehnt.
Die ÖVP will sie nach den im Herbst 2007 zu Ende gegangenen
Perspektivgruppen laut Aussagen führender Parteimitglieder umsetzen,
auch wenn andere Parteimitglieder gegenteiliges signalisiert hatten.
Schon länger waren Politiker wie zum Beispiel Andrea Kdolsky (ÖVP)
und Karin Gastinger (ehemals BZÖ) für die Eingetragene
Partnerschaft. Die SPÖ und die Grünen setzen sich für
Gleichberechtigung ein und haben auch eigene
Homosexuellenorganisationen: Sozialdemokratie & Homosexualität und
Grüne Andersrum.
Lesbische Lebensweisen im Alter
Lesbische Lebensweisen im Alter unterliegt teilweise anderen
Herausforderungen, als jene die andere – heterosexuelle oder auch
schwule – Gruppen kennen: Was möglicherweise in jüngeren Jahren als
Vorteil wahrgenommen wurde, Unauffälligkeit, verkehrt sich dann in
einen Nachteil, wenn es darum geht in einer streng normierten Welt,
wie der einer stationären Altenpflegeeinrichtung, wahr- und ernst
genommen zu werden. Lesbische Frauen bemerken ihre Homo- oder
Bisexualität häufig erst später als Männer, oder stehen offen dazu.
Daher fehlt ihnen im Alter oft das akzeptierende, soziale und
familiäre Umfeld. Durch die allgemein geringere Sichtbarkeit, vor
allem älterer lesbischer Frauen, in Film und Fernsehen, sowie der
kleinen Anzahl offen lesbischer Frauen in Politik Literatur und
bildenden Künsten, existieren kaum Rollenvorbilder.
Ende 2002 fanden gleich mehrere Tagungen zum Thema Lesben und Alter
statt, so z. B. die Fachtagung zum Thema Anders sein und älter
werden – Lesben und Schwule im Alter veranstaltet von der Berliner
Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport, die mit der Studie
Älter werden – Ältere Lesben und Schwule in Berlin ausführlich
dokumentiert wurde. Für Schleswig-Holstein hat die Psychosoziale
Frauenberatungsstelle Donna Klara 2004 einen Bericht Lesben und
Alter erstellt, der auch Handlungsempfehlungen enthält; auch für
Nordrhein-Westfalen liegt inzwischen ein Bericht vor.
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