Gay - Schwul - Homosexuell - Barebacking
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Gay ist ein aus dem Englischen übernommenes Fremdwort für
homosexuell. Es wird als Adjektiv im allgemeinen Sprachgebrauch des
deutschsprachigen Raumes häufig synonym mit schwul verwendet, weil
es mehrheitlich als weniger direkt und dennoch nicht so klinisch
bzw. wissenschaftlich wie „homosexuell“ empfunden wird. Die
Bedeutung von „gay“ erstreckt sich manchmal, aber nicht immer, auch
auf lesbisch. Beispielsweise ist die englische Bezeichnung „gay
women“ korrekt, und Begriffe wie „Gay Pride“ und „gay people“
beziehen sich nicht nur auf Schwule, sondern auch auf Lesben.
Heute wird „gay“ als Begriff für „schwul“ in vielen Sprachen
verwendet und hat inzwischen eine relative wertfreie Konnotation.
Das Wort ist eng mit der Schwulenbewegung nach Stonewall verbunden.
Indem es durch diese zur Selbstbezeichnung wurde, verlor das Wort
aber seine ambivalente Bedeutung. Eine ähnliche Umdeutung hat das
deutsche Wort schwul erfahren
Barebacking
Barebacking ist ein Begriff aus der Schwulenszene. In der Regel
beschreibt er Analverkehr zwischen Männern ohne Verwendung eines
Kondoms, was erhebliche Infektionsrisiken bedeutet, insbesondere mit
dem HI-Virus. Die Entscheidung gegen Safer Sex (geschützten Sex)
wird in der Regel bewusst und zumeist in Kenntnis der
Infektionsrisiken getroffen, die Gründe für diese Entscheidung sind
vielfältig.
Barebacking oder bareback wird inzwischen aber auch generell, das
heißt auch im Bezug auf den ungeschützten Geschlechtsverkehr
zwischen heterosexuellen Sexualpartnern oder in monogamen
Paarbeziehungen, verwendet. Vor dem Auftreten von AIDS war
ungeschützter Geschlechtsverkehr unter Homosexuellen üblich.
Ungeschützter Sex zwischen zwei nicht infizierten Partnern innerhalb
einer festen Beziehung oder Ehe, in der sexuelle Treue vereinbart
wurde, wird vielfach als risikoarm betrachtet – Kritiker dieser
Sichtweise halten dem aber entgegen, dass die beteiligten Personen
nur Kontrolle über das eigene Sexualverhalten haben, nicht jedoch
über das des Partners und dass dieses Vertrauen angesichts der
Häufigkeit von Seitensprüngen unangemessen sei. Infektionen in
festen Partnerschaften durch einen untreuen Partner kommen durchaus
vor.
1980er Jahre
Die 1980er Jahre waren in der Bundesrepublik vor allem durch eine
Institutionalisierung der Lesben- und Schwulenbewegung geprägt:
1982 entstand der Lesbenring als Dachorganisation lesbischer Frauen
und 1986, als dessen schwules Pendant, der Bundesverband
Homosexualität (BVH).
Ab 1977 entstanden im Umfeld der Berliner Allgemeinen Homosexuellen
Arbeitsgemeinschaft (AHA-Berlin e.V.) zahlreiche Gruppen, die in
gesellschaftliche Großorganisationen hineinwirken wollten: die
Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche zum Evangelischen
Kirchentag 1977 in Berlin, der Arbeitskreis Homosexualität in der
Gewerkschaft ötv-Berlin (heute ver.di), die Schwusos in der SPD,
offizielle Anerkennung 1983, der Arbeitskreis Homosexualität der
damals noch FDP-nahen Jungdemokraten (1978 in Berlin, offizielle
Anerkennung als FDP-Arbeitskreis 1981), die Bundes-AG Schwup
innerhalb der Grünen und 1984 die DKP-nahe Demokratische Lesben- und
Schwuleninitiative (DeLSI), zuvor jedoch bereits eine Arbeitsgruppe
der SEW-nahen Hochschulgruppe ADSen (Arbeitsgemeinschaft von
Demokraten und Sozialisten).
In den bundesdeutschen Studierendenvertretungen (ASten) wurden ab
1981 fast überall Schwulenreferate eingerichtet, die zunächst als
reguläre Bestandteile der offiziellen ASten akzeptiert werden
wollten und dafür auch verschiedentliche Rechtshändel mit der
staatlichen Hochschulverwaltung austragen mussten. Später
verzichteten die lesbischen und schwulen Studenten auf diesen
offiziellen Status und firmierten als "autonome Lesben- und
Schwulenreferate".
Bundesweite Ausstrahlung hatte auch die Berliner Lesbenwoche
(1985-1997) und das Lesben-Frühlings-Treffen, das seit Ende der
siebziger Jahre jeweils in einer anderen Stadt stattfand. Die Namen
dieser Veranstaltungen zeigen, dass sich Lesben auch in den 80ern
überwiegend autonom, d. h. unabhängig von Männern engagierten.
In Westberlin arbeitete und koordinierte das Treffen der Berliner
Schwulengruppen schwulenpolitische Aktivitäten in der Stadt.
Allein zwischen Dezember 1980 und Mai 1986 hat sich die Zahl der
lesbisch-schwulen Emanzipationsgruppen von etwa 148 auf 416 erhöht.
1981 veröffentlichte der Hamburger Autor Thomas Grossmann mit seinem
Ratgeber Schwul - na und? den ersten Ratgeber zum Coming Out für
Schwule; ebenfalls 1981 erregte der erste Ratgeber für Lesben, Pat
Califias "Sapphistrie: Das Buch der lesbischen Sexualität" Aufsehen.
1989 machte Bea Trampenau auf die Situation lesbischer Mädchen
aufmerksam mit "Kein Platz für lesbische Mädchen".
Ein zweites Novum war die Organisierung eines jährlichen Christopher
Street Day, um an den Stonewall-Aufstand zu erinnern. Die ersten
CSDs fand 1979 in Bremen und Berlin statt.
In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre warf die
Immunschwächekrankheit AIDS ihren Schatten über die
Schwulenbewegung. Zum einen starben in den folgenden Jahren
zahlreiche prominente Aktivisten; zum anderen ging es nun darum,
eine repressive Gesundheitspolitik abzuwehren, wie sie vor allem der
bayerische Innenpolitiker Peter Gauweiler voranzutreiben versuchte.
So hatte dieser 1986 die Einrichtung von Internierungslagern für
Aids-Kranke gefordert.
Trotz ihrer Erfolge in der Aids-Politik, die Homosexualität als
Thema in die breite Öffentlichkeit trug, geriet die Lesben- und
Schwulenbewegung gegen Ende der 80er Jahre in eine Sinnkrise, die
sie mit fast allen anderen sozialen Bewegungen teilte. Viele
Aktivisten zogen sich enttäuscht aus der Bewegung zurück. Die
Ursachen hierfür sind vielschichtig:
Die Verallgemeinerung eines lesbischen und schwulen
Selbstbewusstseins machte es überflüssig, sich innerhalb der
Bewegung zu engagieren, um in den Genuss der von ihr geschaffenen
Identität zu gelangen.
Der Begriff Politschwester wurde zu einem szeneinternen
Stigma-Begriff. Politisches Engagement galt als „unsexy“.
Aufgrund der steigenden Akzeptanz ihrer Lebensweise sahen viele
Szeneangehörige die Mission der Lesben- und Schwulenbewegung bereits
als erfüllt an.
Ehemalige Bewegungszeitschriften begannen, sich in kommerzielle
Lifestyle-Magazine zu verwandeln und von ihrer Bindung an die
Lesben- und Schwulenbewegung zu lösen.
Politische Schlagworte wie „Emanzipation“ und „Patriarchat“ wurden
durch den Niedergang der Neuen Linken weitgehend entwertet.
Die Bewegung hatte sich professionalisiert und schloss durch ihre
zunehmende Verbandsstruktur eine Beteiligung der Basis aus.
Aufgrund dieser Tendenzen erklärten einige ehemalige Aktivisten die
Lesben- und Schwulenbewegung 1989 für gestorben.
1990er Jahre
Anfang der 1990er Jahre explodierten die Teilnehmerzahlen an den
bundesdeutschen CSDs (in Berlin etwa 500.000 Personen). Gleichzeitig
ging die aktive Beteiligung an klassischen politischen
Emanzipationsgruppen drastisch zurück. Das Treffen Berliner
Schwulengruppen (TBS), eine Art Arbeits-, Planungs- und
Diskussionskreis politisch interessierter Schwulengruppen, löste
sich auf. Die homosexuelle Subkultur war zur lesbisch-schwulen Szene
geworden, die sich häufig auch als Community bezeichnete, und
übernahm damit als Ganzes die Identität, die ursprünglich ein
besonderes Merkmal politischer Emanzipationsgruppen war. Die
Unterscheidung zwischen Subkultur und Bewegung verblasste dadurch
zusehends, so dass heute beide Begriffe als antiquiert erscheinen.
Die zahlreichen Gruppengründungen der frühen 1990er Jahre sind durch
eine starke Ausdifferenzierung der Interessen gekennzeichnet. Sie
reichen von Sport- und Jugendgruppen bis hin zu Migranten- und
Menschenrechtsvereinen. Es entstand jedoch 1997 in Berlin der
jährlich stattfindende Transgeniale CSD welcher sich als politische
Alternative zu den großen CSDs versteht.
Gegenwart
Im Gegensatz zu den emanzipatorischen Bewegungen der siebziger und
achtziger Jahre ist die Lesbisch- schwule Bewegung heute eher an
mehr Bürgerrechten und an einer weitgehenden Anpassung an
bürgerliche Normen interessiert.